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Am 16.04.2020 startete das Online-Alternativprogramm für unseren Erasmus + Club nun auch auf internationaler Ebene: Statt der Jugendkonferenzen in einem der vier Partnerländer treffen wir uns nun in regelmäßigen Abständen digital mit einer europäischen Persönlichkeit.

Wir interviewen sie zu ihrer persönlichen Einstellung zu Europa, zu ihrer beruflichen Aufgabe in Europa, zu ihren Ideen für die Zukunft der Europäischen Union und natürlich auch zu gegenwärtigen politischen Themenbereichen, die jeden von uns betreffen.
Vier Schülerinnen und Schüler aus den Niederlanden, Nordmazedonien, Litauen und Deutschland führten bei der ersten Runde ein digitales Gespräch mit dem ehemaligen Direktor der europäischen Polizeibehörde Europol, Max-Peter Ratzel.
Max-Peter Ratzel ist selbst ein „lebendiges Beispiel europäischer Geschichte“, da er im Saarland aufwuchs, welches zu diesem Zeitpunkt zwar kulturell deutsch, aber unter französischer Außen- und Verteidigungspolitik stand, mit streng bewachten Grenzen nach Deutschland und Luxemburg. Zehn Jahre später folgte der Anschluss des Saarlands an die BRD, für Max-Peter Ratzel war nun nicht mehr der französische Franc sondern die deutsche DM von Bedeutung. Er erlebte aus dieser Perspektive heraus bewusst das Fallen der Grenzen im Schengenraum und – wie er es nennt – die Neugestaltung des Kontinents mit dem Fall der Mauer 1989.
Vertieft konnte Max-Peter Ratzel uns Einblicke in die Arbeit der Europol geben, die besonders in der Terrorismusbekämpfung deswegen große Erfolge verzeichnet, weil die europäischen Länder digital auf einer Ebene zusammenarbeiten können. Als Vertreter der Europol kennt er europäische Staaten gut und weiß um deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Seine und unsere Rolle in der EU sieht Max-Peter Ratzel insbesondere darin, Gemeinsamkeiten zu stärken, aber auch Diversitäten zuzulassen und aus diesen zu lernen. Hierzu appellierte er, dass jeder seine Handlungen und Denkweisen reflektiert, kritisch hinterfragt und die richtigen Schlüsse zieht.
In Zeiten der Coronakrise ist ihm im Besonderen wichtig, dass wir als Gemeinschaft zusammenstehen und er hofft für eine Post-Corona-Zeit, dass die europäischen Staaten stärker zusammenarbeiten und zueinander finden und nicht in Abgrenzung und Nationalismus aufgehen. Fernerhin sollen wir in dieser Zeit der Krise Ruhe bewahren und die Corona-Zeit, in seinen Worten „nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Möglichkeit sehen", um aus der Krise solidarisch gestärkt hervorzugehen.
Er sieht Gefahren nicht so sehr darin, dass sich in der Zeit der Krise Menschen dem organisierten Verbrechen zuwenden, als dass es vielmehr stärker auftretende häusliche Gewalt geben wird, da die Menschen im Lockdown in ihrem alltäglichen Leben eingeschränkt sind.
Als ehemaliger Leiter der Europol erachtet Max-Peter Ratzel es als wichtig, mit allen verfügbaren Mitteln gegen Korruption vorzugehen. Durch seine jahrelangen Erfahrungen primär in der Polizeiarbeit und sekundär auf politischer Ebene hat er uns dargelegt, dass Korruption die demokratische Grundordnung gefährdet. Dagegen muss aktiv vorgegangen werden, was aus seiner Erfahrung oftmals durch mehr Bildung realisiert werden kann.
Als Rat für die Zukunft gab uns Max-Peter Ratzel mit, viele Länder zu bereisen und deren Kulturen kennenzulernen. Indem wir für Unterschiede und Gemeinsamkeiten offen sind können wir Verständnis gewinnen und dadurch unsere Gemeinschaft stärken.
Das bedeutet für uns alle, dass es an uns liegt, die Europäische Union weiter zu gestalten, und zu optimieren. Wir müssen unsere Werte wie Solidarität, Toleranz, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit hochhalten, um in der Zukunft stärker als eine Einheit, als 'Europäische Union' auftreten zu können.
Um es in den Worten von Max-Peter Ratzel zu sagen: „Die Europäische Union ist noch nicht vollendet!"

Felix Holtmann (11b)

2020 04 22Onlie Gespräch 2

2020 04 22Onlie Gespräch
Max-Peter Ratzel (oben links) (ehemaliger Direktor der europäischen Polizeibehörde Europol) im Online-Gespräch
mit Schülern des Erasmus+ Clubs

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