Leonberg 21. November 2002
Wochenblatt
Von Michael Schmidt

Siedlungsentwicklung im Heckengäu, gute Pädagogik und Ausstattung führenzu großen Schülerzahlen.

Kaum gebaut - und schon wird erweitert? Dies dachte sich so mancher, als die Rutesheimer kurz nach Eröffnung des neuen Gymnasiums bemerkten, dass die Schule dem Ansturm nicht gewachsen war - jetzt feiert ein Anbauseine Eröffnung.Es war eine denkwürdige Gemeinderatssitzung im Frühjahr 2000. Im Rutesheimer Rathaus erwarteten die Gemeinderäte den Bericht über die Entwicklung der Schülerzahlen. Nichts Ungewöhnliches, eigentlich. Wasdann der heutige Beigeordnete Martin Killinger vortrug, erfüllte den Gemeinderat dann plötzlich mit einer Mischung aus Sprachlosigkeit und Freude.


Das wenige Monate zuvor eröffnete Gymnasium, ein 30-Millionen-Mark-Projekt, war zu klein geschneidert worden - wenn die Entwicklung der Schülerzahlen anhielte. Diese Tendenz war in der Tat nicht abzusehen. Im Gegenteil. Während Mitte der neunziger Jahre in Leonberg die weiterführenden Schulen aus allen Nähten platzten, schließlich ein handfester interkommunaler Streit zwischen Leonberg und Rutesheim ausbrach, weil der Leonberger Oberbürgermeister seinen Bürgern kaum vermitteln konnte, weshalb man für Schüler aus dem sieben Kilometerentfernten Rutesheim oder dem 14 Kilometer entfernten Weissach ein Gymnasium bauen wollte. Der Rutesheimer Altbürgermeister Reichert wetterte zurück, dass sich Leonberg auf seine Rolle als Mittelzentrum besinnen sollte.Unterm Strich half alles nichts: 1996 wagte Rutesheim, mit fünf Partnergemeinden in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag vereint, den Schritt. Gemeinsam mit Weissach- Flacht, mit Heimsheim, Wimsheim, Friolzheim und Mönsheim sollte ein neues Gymnasium entstehen. In Rekordzeit war der Bau der Freiburger Architektengruppe Böwer, Eith, Murken und Spiecker am südlichen Ortsrand fertig, die ersten ‚‚Parkklassen’’ des Rutesheimer Gymnasiums konnten zum Schuljahresbeginn 1999 von Leonberg nach Rutesheim ziehen, und mit ihnen kamen neue Schüler in gleich vier fünften Klassen zusammen.

War im Ringen um das Gymnasium vom Oberschulamt noch halbwegs bezweifelt worden, ob sich aus den Umlandgemeinden für ein dreizügiges Gymnasium genügend Schülerfinden, stimmten schließlich die Eltern und ihre Kinder mit den Füßen ab. Eilig mussten im Jahr 2000 fünf Eingangsklassen gebildet werden.Und der Gemeinderat war im Zugzwang. Zwar füllte sich das Gymnasium langsam, war im Aufbau begriffen. Aber wie bei einem leeren Eimer unterm Wasserhahn würde der Strom bald überlaufen, wenn man nicht eine Lösung herbeibrachte. Zehn zusätzliche Klassenzimmer, davon einige als Fachräume genutzt, sollten die Gesamtkosten von fünf Millionen Mark nicht überschreiten. Weil nach wie vor alle Geldgeber zu ihrem Wort und dem Rutesheimer Gymnasium standen, war schnell eine Einigung erzielt: Das Land war wieder mit einem außerordentlichen Förderbeitrag dabei, ebenso der Landkreis Böblingen, außerdem alle Partnergemeinden.

Der Spatenstich für die Erweiterung im Sommer 2001 sollte für Bürgermeister Wilfried Reichert der letzte symbolische Akt eines beispiellosen Investionsmarathons sein. Binnen eines Jahres wurden die beiden Flügel des Gymnasiums nach Süden hin verlängert, die Klassenzimmer ausgebaut und pünktlich zum Schuljahresbeginn in Betrieb genommen.Ohne Spannung bleibt die Erfolgsgeschichte des Rutesheimer Gymnasiums freilich nicht. Eigentlich hätten sich die Gemeinderäte entspannt zurücklehnen können, angesichts der Zukunftsvorsorge. Doch im Frühjahr 2002 trug Hauptamtsleiter Killinger abermals die aktuellen Schülerzahlen vor. Zwar nimmt der so genannte Schülerberg im laufenden Jahrzehnt kontinuierlich ab. Doch der Ansturm auf das Rutesheimer Gymnasium hält weiter an - so dass in diesem Jahr erstmals sechs Eingangsklassen gebildet werden mussten.

174 neue Schüler wollen in Rutesheim für ihre Zukunft lernen - das sind mehr Schüler als die beiden Leonberger Gymnasien jetzt zusammen haben. Im Rutesheimer Gymnasium lernen jetzt 822 Schüler in 29 Schulklassen.Weil auch in den kommenden Jahren womöglich ebenfalls Eingangsklassen in dieser Größenordnung gebildet werden müssen, ist nun abermals eine Raumnot vorprogrammiert. Eines stellten alle Gemeinderäte und auch die Verwaltung allerdings klar: Einen abermaligen Erweiterungsbau kann es für das Gymnasium nicht geben. Zumal die Schülerzahlen sich wohl in den kommenden Jahren auf ein hohes, aber eben nicht das aktuelle Spitzenniveau einpendeln werden.

Man sucht nach einer internen Lösung: Alle Rutesheimer Schulen wollen im Schulzentrum zusammenrücken, um genügend Raumkapazitäten für das neue Gymnasium anzubieten.Selbst die alte Rutesheimer Schule in der Hindenburgstraße wird neu belebt. Mahnende Worte über die Entwicklung fallen ebenfalls: In der vergangenen Gemeinderatssitzung wurden die "Gefahren eines Massenbetriebs" am Rutesheimer Gymnasium diskutiert - als Herausforderung für die Zukunft der Schule.

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