Leonberg 21. November 2002
Leonberger Kreiszeitung
Von Michael Schmidt

RUTESHEIM - Am Ende stand kein Beschluss, sondern nur die Hoffnung und eine feste Absicht: "Sechs Eingangsklassen kann es am Gymnasium nicht noch mal geben'', ist sich der Rutesheimer Gemeinderat einig.

Kurz vor der Eröffnung der Erweiterung des Rutesheimer Gymnasiums am morgigen Freitag nahm der Gemeinderat die Schülerzahlen der Gemeinde nochmals unter die Lupe. Die Entwicklung der Schülerzahlen darf nicht weiter so sprunghaft anwachsen wie in den vergangenen Jahren - darin waren sich die Verwaltung und die Ratsvertreter einig. Vor allem der Ansturm auf das Gymnasium, das gemeinsam mit den Gemeinden Weissach, Heimsheim, Friolzheim, Wimsheim und Mönsheim gebaut wurde, sprengt schlicht die Raumkapazitäten. 174 Schüler wollten allein in diesem Jahr aufs Rutesheimer Gymnasium wechseln, mehr als in beiden Leonberger Gymnasien zusammen, darauf verwies Beigeordneter Martin Killinger und Bürgermeister Dieter Hofmann.


Sechs Eingangsklassen wurden für das eigentlich vierzügig geplante Gymnasium nun gebildet. Weil die ersten Rutesheimer Abiturjahrgänge jedoch erst 2005 von der Schule abgehen, erwarten die Rutesheimer extreme Raumnot bei bis zu 45 Klassen.Bürgermeister Hofmann fasste die Konsequenz zusammen: "Im Sommer 2003 können wir nicht noch einmal sechs Klassen aufnehmen. Unter Umständen müssen wir Schüler abweisen, und das bringt uns in rechtliche Probleme.'' Denn die öffentlich-rechtliche Vereinbarung sieht einen Anspruch der Heckengäu-Gemeinden vor, ihre Kinder nach Rutesheim zu schicken.

Den Rutesheimern bleibt, mit "zwei Unbekannten'', so Killinger, zu spekulieren. Unklar ist nämlich die Zahl der Zuzüge junger Familien ins Heckengäu und die Übergangsquote. Bislang sind die Kinder rund um Rutesheim überdurchschnittlich schlau. Oder deren Grundschulen besonders gut. Denn die Zahl der Schüler, die von der Grundschule aufs Gymnasium wechselt, liegt mit 39,5 Prozent weit über dem Landesdurchschnitt. Wenn Rutesheim Glück hat, ist die Zahl der neuen Schüler im Schuljahr 2002 gerade so groß, dass fünf neue Klassen im Gymnasium gebildet werden können.Langfristig scheint sich die Lage ohnehin zu entspannen: "Die Jahrgangsgrößen gehen deutlich zurück'', stellt Martin Killinger fest. So liegt die Zahl aller Kinder der Schulgemeinden im aktuellen "Fünftklässlerjahrgang'' bei 425. Die aktuelle Vergleichszahl der Geburten im vergangenen Jahr liegt jedoch bei nur 300 Kindern.

Einen Grundsatzbeschluss hatte der Gemeinderat bereits in diesem Frühjahr gefasst: Damit Gymnasiasten nicht abgewiesen werden müssen, sollen die anderen Schulen im Schulzentrum zusammenrücken und jeden möglichen Raum für den Unterricht nutzen. Schon jetzt gehen in der Schulgemeinde Rutesheim jeden Tag knapp 2000 Kinder und Jugendliche zur Schule. Davon kommen 807 aus den umliegenden Gemeinden. Vermeiden will man mit dem Zusammenrücken vor allem, dass Rutesheimer Kinder wieder nach Leonberg geschickt werden. Dort tun sich jetzt nach Jahren der Überfüllung wieder neue Kapazitäten auf. Doch ein Angebot des Leonberger Oberbürgermeisters an die Rutesheimer hier "Synergieeffekte'' zu nutzen, stieß im Rutesheimer Rat auf Granit. Weil die Leonberger Mitte der neunziger Jahre die Aufnahme von Rutesheimer Schülern verweigerten - was letztlich zum Bau des neuen Gymnasiums führte - mag nun der Rutesheimer Gemeinderat nicht die entstandenen Leonberger Löcher stopfen. Was wiederum Leonbergs Verwaltungschef, Bernhard Schuler, nicht versteht: "Das ist doch im Interesse des Steuerzahlers, wenn hier leer stehende Raumkapazitäten genutzt werden.''

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