Russland um die Jahrhundertwende. Ein beeindruckendes Landgut. Ein prächtiger Kirschgarten. Und eine überraschende Hochzeit…

Am 30.06. und 01.07.2017 präsentierte die Theater-AG des Gymnasiums Rutesheim unter der Leitung von Bernd Oczko Anton Tschechows „Der Kirschgarten“ und verwandelte die Aula des Gymnasiums in das prunkvolle Herrenhaus der Familie Ranewska, die nach verschwenderischen Jahren vor dem Ruin steht. Sie erzählt damit die Geschichte einer grenzenlos überforderten Übergangsgesellschaft, die ohne Aussicht auf eine Zukunft am Alten festhält und sich in der neuen Zeit nicht zurechtfindet. Anton Tschechows Stück ist eine gesellschaftskritische Demontage der russischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Das Leben, wie man es kannte, ist an seine Grenzen geraten, es existiert nicht mehr – der alte russische Adel ist für die moderne Gesellschaft nicht mehr notwendig und wird rigoros „abgeholzt“.

Herrschaftlich anmutende Kostüme, prunkvolle Möbel und ein malerischer Kirschgarten: Über zwei Stunden lang entführten die Schauspielerinnen und Schauspieler ihr Publikum in eine Welt voller Verschwendung, Verblendung und Verzweiflung. Herausragend war Anna-Lena Maxa in ihrer Rolle als Ljubow Ranewskaja, die durch besonders lange Textpassagen und eine authentische Darstellung überzeugte. Laura Thaysen als geschwätzige Tante Olga, Marius Brügger als Firs, Alina Holzer als Dunjascha und Marie Albers als Anastasia brachten ihr Publikum durch komische Elemente immer wieder zum Lachen.
Für eine große Überraschung sorgte der Auftritt ehemaliger Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Theater-AG des Gymnasiums Rutesheim, die aus den verschiedensten Teilen Deutschlands anreisten, um erneut ihr Können unter Beweis zu stellen. Besonders Reinhard Bohne, der bereits im Jahr 2010 sein Abitur absolvierte, konnte das Publikum durch seine überaus überzeugende Darstellung des Generals Fedor Revunov-Karaulov in seinen Bann ziehen.
Für die Aufführungen kooperierten die verschiedensten Arbeitsgemeinschaften. Das überaus passende und kreative Bühnenbild fertigte die Bühnenbild-AG unter der Leitung von Ulla Becker mit viel Liebe zum Detail und kreativen Ideen und ließ das Stück erst richtig wirken. Für die stimmungsvolle Beleuchtung und den guten Ton sorgte die Technik-AG unter der Leitung von Dirk Kolberg und Bastian Rochard. Die musikalische Ausgestaltung des Stückes übernahm Klaus Müller, der bereits zum 11. Mal für das Gymnasium Rutesheim für die Bühnenmusik bei verschiedensten Veranstaltung verantwortlich war und mit viel Zeit und Herzblut die Stücke selbstständig komponierte. Er konnte sich in diesem Jahr einen Traum erfüllen: Während bei vergangenen Aufführungen alle Möglichkeiten und Farben der klassischen Instrumente ausgeschöpft wurden, zeichnete in diesem Jahr elektronische Musik das Psychogramm des Stücks nach. Schon vor der Aufführung verrät Klaus Müller: „Die Musik wird die Aula zum Einstürzen bringen“. Er versprach nicht zu viel: das Chaos und die Verzweiflung auf der Bühne wurde durch die Musik eingänglich und mitreißend gespiegelt. Unterstützt wurde er durch Michael Friedinger und Bastian Rochard am Klavier/Keyboard und Daniel Wiedmann (10a) am Schlagzeug.
Bernd Oczko, die Schauspielerinnen und Schauspieler und alle Beteiligten haben sich in diesem Jahr wieder einmal selbst übertroffen und es zeigte sich einmal mehr, dass die Theater-AG des Gymnasiums Rutesheim eine große Familie und Schule, wie es Bernd Oczko treffend auf den Punkt brachte, „mehr als nur Unterricht“ ist.

Carolin Reichel
Rektoratsassistentin Öffentlichkeitsarbeit

2017 07 01 kirschgarten06

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