In einem bunten und modernen Singspiel brachten mehr als 150 Fünftklässler vier seiner Streiche eindrucksvoll auf die Bühne

Seit vielen Jahrhunderten treibt Till Eulenspiegel bereits sein Unwesen. Überall, wo er auftaucht, hält er die Menschen zum Narren, indem er ihnen einen Spiegel vorhält. In der vergangenen Woche nun kam er nach Rutesheim und wirbelte an zwei Abenden, am 11. und 12. Mai, die Welt von Bürgern und Gelehrten, Handwerkern und Edelmännern kräftig durcheinander.

Dass das Leben eines fahrenden Bänkelsängers harte Arbeit ist, stellt dessen Gehilfe gleich zu Beginn des Stückes fest. Nicht nur muss er unzählige Sagen und Geschichten lernen, sondern sie auch noch überzeugend vorsingen können. Wissbegierig dreht der Gehilfe also am Leierkasten und bringt zusammen mit seinem Meister die Abenteuer von Till Eulenspiegel in Schwung. Diese beginnen in Eisleben, wo er – so weit, so gewöhnlich – mit seiner Mutter lebt und zur Schule geht. Doch die Einwohner spüren schnell: „Der hat was!“ Und tatsächlich zeigt Till ein Seiltanzkunststück, für das er die linken Schuhe der spöttischen Bürger auffädelt, das Seil kurzerhand zerschneidet und sich das Chaos der Schuhsuchenden vergnügt von oben anschaut.

Im nächsten Ort hat der Bäcker eigentlich nur ein Problem: Wie schaue ich abends das Pokalfinale und habe am nächsten Morgen dennoch frische Brötchen? Um selbst einen vergnüglichen Abend verbringen zu können, quält und triezt er seine Angestellten, die er alleine mit einer schier nicht zu bewältigenden Aufgabe in der Bäckerei zurücklässt. Till, den er kurzerhand als Gesellen einstellt, löst die Situation auf seine Weise: Die mürrische Aussage des Bäckers, er könne seinetwegen „Eulen und Meerkatzen“ backen, setzt er in die Tat um und beweist beim anschließenden Verkauf modernsten Geschäftssinn („Das Stück für 1,80 – 3 für 6 Euro!“).

Mit dem Gewinn flieht er nach Prag, wo er gegen die Gelehrten der Universität bestehen muss. Unmöglich zu beantwortende Fragen stellt der Rektor, doch Till wäre nicht Till, wenn er sich nicht auch hier durch geschickte Erwiderungen aus der Affäre zu ziehen wüsste. Als der Rektor mit seinem Latein am Ende ist, versucht er es bei Till gar mit Gift! „Schnell weg“, heißt es deshalb erneut für Till Eulenspiegel, und das letzte Abenteuer kann beginnen.

Der Graf zu Anhalt sucht einen Turmbläser, und Till zeigt sich auch hier als Verwandlungskünstler: Mit Trompete gewappnet bewirbt er sich erfolgreich auf den Job. Wenn bloß dieser Hunger nicht wär! Unten im Burghof schmausen ihm die Ritter etwas vor, und Till muss sich einer List bedienen, um an die Leckereien zu kommen: Er gibt falschen Alarm und greift beim Festmahl zu, nachdem sich der Burghof geleert hat.

„Werden wir Till Eulenspiegel einmal wirklich zu Gesicht bekommen?“, fragt der Bänkelsängergehilfe unbedarft, nicht ahnend, dass ihnen der Schelm schon dicht auf den Fersen ist…

Das diesjährige Singspiel forderte die Kreativität der Schüler in vielfältiger Weise. Über zwei Stunden lang konnte das Publikum in der jeweils gut besetzten Aula die volle Bandbreite der Künste bestaunen: Zwischen liebevoll gestalteten Bühnenbildern wurden ganze Dörfer, die Universität zu Prag, eine Burg und ein Räuberlager lebendig; dazu begeisterten 100 Schüler im Chor durch ihre stimmgewaltige Untermalung; einzelne überraschten die Zuschauer sogar durch solistischen Gesang auf der Bühne. Zahlreiche Tanzchoreografien der Schauspieler rundeten diesen Kunstgenuss ab, der wie in den letzten Jahren auch von dem CONSORT, der Kammermusik-AG des Gymnasiums, begleitet wurde. Dabei lag die besondere Schwierigkeit des diesjährigen Singspiels darin, die in jedem Teil neu entstehenden Welten zu einer Ganzheit verschmelzen zu lassen– eine Mammutaufgabe, die die über 200 Beteiligten souverän meisterten.

Seit vier Monaten haben die Musiklehrer des Gymnasiums (Herr Buchholz, Herr Friedinger, Herr Müller und Frau Sanwald sowie unterstützend Herr Klahm und Herr Frank) das selbst verfasste Libretto und die eigens komponierte und arrangierte Musik (Herr Müller) in den fünften Klassen einstudiert. Diese akribische Vorbereitung zeigte sich an den Aufführungsabenden in aller Deutlichkeit, an denen die Schüler in einer beeindruckenden Souveränität und Spiellust schauspielerten. Dazu bildeten der Chor der Fünftklässler und das Kammermusik-Ensemble unter Leitung von Herrn Müller eine perfekt harmonierende musikalische Einheit, auf die zuvor in tagelanger, intensiver Probenarbeit hingewirkt wurde. Ein solch riesiges Projekt kann jedoch nur gelingen, wenn es von vielen Seiten unterstützt wird. Zu danken ist deshalb Frau Becker und Frau Schaible für die detailreiche und mühevolle Gestaltung des Bühnenbilds, der Technik-AG unter der Leitung von Herrn Kohlberg und Herrn Müller für die effektvolle Beleuchtung der Bühne und den perfekten Sound (insgesamt wurden 94 verschiedene Schüler, teilweise im fliegenden Wechsel, mit Mikrofonen ausgestattet!) sowie den zahlreichen Eltern und Schülern, die durch die Mitarbeit beim Kulissenbau, den Requisiten und bei der Organisation und Bewirtung an den Abenden dazu beigetragen haben, dass Till Eulenspiegel auch 2016 noch lebendig und ein absolutes Highlight dieses Schuljahres geworden ist!

Christian Buchholz
Musikreferendar

2016 05 11 Till 4 klein

2016 05 11 Till 43 klein

2016 05 11 Till 30 klein

2016 05 11 Till 103 klein

 Weitere Bilder gibt es in den 'Impressionen'.

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