Vom Förderverein des Gymnasiums Rutesheim geladen, verblüffte das Schweizer Duo mit ihrem Programm „Blattrand“ am Samstagabend, 17.10.2015 das Publikum in der Aula des Schulzentrums

Ohne Rolf, das sind Christof Wolfisberg und Jonas Anderhub, beide 39 Jahre alt und Schweizer. In dunklen Anzügen steht jeder auf einer kleinen Trittleiter und hat vor sich einen schwarzen Kasten, der von zwei Stangen durchbohrt ist. An diesen Stangen hängen die beschrifteten Plakate, die stets mit einer eleganten Bewegung über den Kasten geblättert werden. Das Blättern wird in keiner Situation von Worten begleitet; die Kommunikation basiert rein auf schriftlicher Basis. Natürlich gibt es Zwischentöne: Wenn Anderhub etwa mit nachdenklichem Gesichtsausdruck zwei Finger benetzt, wie einer es tut, der eine Buchseite umblättert, ist der Kommunikation eine weitere nonverbale Ebene hinzugefügt. Eindimensional ist die Kunst der beiden Schweizer nicht. Plötzlich tauchen Schreibfehler auf den Plakaten auf, Buchstaben fehlen, bald kann man die Worte nicht mehr lesen, die Schrift verblasst – "blanker Unsinn" steht auf einem Blatt. Da greift Wolfisberg zu einer Flasche mit schwarzer Flüssigkeit, trinkt daraus – und schon werden die Buchstaben kräftiger, die Worte wieder vollständiger.

Sehr ausgeprägt agiert Ohne Rolf mit dem Publikum. Natürlich dadurch, dass Fragen gestellt werden – schriftlich natürlich. "Wie lernt man sprechen?" steht auf einem Plakat und auf einem nächsten: "Stirbt man, wenn die Worte aufgebraucht sind?" Das Publikum hat keine Antworten parat – nur Gelächter. "Unheimlich" finden das die beiden Künstler. Erst im Laufe des Abends kristallisiert sich so etwas wie eine Geschichte aus dem Blätterwald heraus. Schließlich kommen sie auf die Idee, Stimmbänder zu essen. Die Magnetbänder zweier Kassetten werden also in einen Kochtopf geworfen und eine Suppe draus gekocht – das Ergebnis ist niederschmetternd; aus den geöffneten Mündern kommt wieder kein Ton heraus. "Wie wird man stimmberechtigt?" lautet die dazu passende, ein wenig verzweifelt klingende Frage von Ohne Rolf ans Publikum.

Obwohl Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg keinen Ton von sich geben, ist es umso erstaunlicher, dass sie lebhaft mit dem Publikum kommunizieren und es sogar mit ins Programm einbeziehen. Am Ende steht Jürgen Schwarz, Schulleiter des Gymnasiums Rutesheim, auf der Bühne und blättert fleißig mit. Seine spontan lautlose Präzision machte wiederum deutlich, dass Kommunikation mehr ist als das gesprochene Wort.

Das machte ungeheuer Spaß und rechtfertigt die Unterzeile, die Ohne Rolf ihrem Programm gegeben haben: erlesene Komik. Lang anhaltender Beifall.

Das war beste Unterhaltung für alle Sinne, die der Förderverein des Gymnasiums Rutesheim unter dem Vorsitz von Frau Irrgang möglich gemacht hat. Vielen Dank dafür!

Susanne Schwahn
Abteilungsleiterin Öffentlichkeitsarbeit

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